Die aktuelle Krise hat mit brutaler Macht mehr als deutlich aufgezeigt, dass wir kompetenzorientierte Lernsysteme benötigen. Die „altbewährte“ Methode des Vorratslernen hat sich als völlig ungeeignet erwiesen, mit diesen neuen Herausforderungen wirksam umzugehen. Vielmehr sind die Verantwortlichen in Politik und Wissenschaft, aber auch in jedem Unternehmen, bis hin zu einzelnen Selbständigen, gefordert, Lösungen für Probleme zu entwickeln, die bis vor wenigen Wochen niemanden bekannt waren.

Die aktuelle Entwicklung hat revolutionäre Konsequenzen für das Corporate Learning, die betriebliche und berufliche Aus- und Weiterbildung. Je schneller sich Handlungsziele, Handlungsmethoden und das explodierende Wissen ändern, desto mehr werden Menschen gefragt sein, die in diesem Chaos der offenen Möglichkeiten neue Ideen entwickeln und über Fähigkeiten verfügen, darin selbstorganisiert und kreativ zu handeln. In dieser Phase, die durch Unwissenheit und Unsicherheit, teilweise auch Fehlinformationen, geprägt ist, geht es deshalb vor allem darum, die Fähigkeit der Mitarbeiter zu stärken, Herausforderungen in ihrer Arbeitspraxis selbstorganisiert und kreativ lösen zu können. Diese Fähigkeiten bezeichnet man als Kompetenzen.

Stattdessen erleben wir in vielen Bereichen den Reflex, nunmehr digitale Systeme zu nutzen, um das bisherige Vorratslernen durch Abfilmen von Präsentationen oder Seminaren oder mit E-Learning oder Lernvideos ins Netz zu verlagern. Damit wird die Methode des Frontalunterrichts, die sich als völlig ungeeignet erwiesen hat, einfach ins Netz verlagert. Da dabei der persönliche Kontakt fehlt, verschlechtern sich die Ergebnisse zudem.

Bevor nun viel Geld für digitale Lernlösungen ausgegeben wird, die nichts bewirken, sollten die Unternehmen zuerst ihre Konzeption des Lernens überdenken und bedarfsgerecht neu gestalten. Im Regelfall wird dies dazu führen, dass ein radikaler Wandel im Corporate Learning stattfindet.

Die aktuellen Entwicklungen, nicht nur der vergangenen Monate, führen zwangsläufig zu einem radikalen Wandel des Lernens. So weit sind sich Pädagogen und Personalverantwortliche verschiedenster Provenienz einig. Wie sie den Wandel aber gestalten können, darüber gehen die Meinungen auseinander. Wir gehen in unseren Überlegungen davon aus, dass die Lernwelt ein Spiegelbild der Arbeitswelt sein muss, besser noch, die Zukunft vorwegnimmt

Für die Gestaltung zukunftsorientierter Lernkonzeptionen sind neben den pädagogischen Erfahrungen im betrieblichen Lernen auch die Erkenntnisse der Selbstorganisationstheorie und Neurobiologie fundamental:

  • Um in einer Welt, die immer unberechenbarer wird, zu handeln, benötigen wir mehr denn je Fähigkeiten, selbstorganisiert und kreativ zu handeln.

Digitalisierung, Werte- und Kompetenzentwicklung gehören zusammen.

  • Die Menschen sind von Natur aus fähig, selbstorganisiert und kreativ – also kompetent – zu handeln.

Deshalb geht es im Corporate Learning vor allem darum, selbstorganisiertes Lernen zu ermöglichen und laufend zu optimieren.

  • Die Modellierung des Gehirns durch die Selbstorganisationstheorie zeigt, dass Informationen immer zugleich mit emotionalen Bewertungen, mit Werten, zusammen gespeichert werden. Deshalb muss Wissen durchgehend über eigene Erfahrungen im Arbeitsprozess emotional »imprägniert«, es muss von »Wissen an sich« zu »Wissen für uns« werden.

Das Ziel des betrieblichen Lernens ist die selbstorganisierte Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter, Wissen und Qualifikation bilden dafür die notwendige Voraussetzung.

  • Digitale Medien ermöglichen ganz neuen Formen des Umgangs mit anderen Menschen. Wissen kann im Netz inhaltlich wie emotional bei der kollaborativen Bearbeitung realer Herausforderungen entwickelt und geteilt werden.

Kompetenzentwicklung erfolgt – entsprechend der Entwicklung in der Arbeitswelt – immer mehr im Netz.

 Die Konzeption beabsichtigter und „intendierter“ Werte- und Kompetenzentwicklung im Prozess der Arbeit und im Netz erfordert Antworten auf folgende Fragen:

  • Welche grundlegenden Veränderungen im Arbeitsprozess, z. B. im Rahmen der digitalen Transformation, und damit im Bildungsbereich, stehen vor uns und wie gehen wir damit bei der Gestaltung der Bildungskonzeption um?
  • Wie lassen sich Kompetenzen erkennen, verstehen, entwickeln und kommunizieren?
  • Welche Entwicklungsarrangements benötigen wir, um den Aufbau der Kompetenzen der Mitarbeiter im Sinne der Unternehmensstrategie selbstorganisiert möglich zu machen?
  • Wie können die erforderlichen Werte als Ordner des selbstorganisierten Handelns gezielt entwickelt werden?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem neugestalteten Corporate Learning für die Rollen der Mitarbeiter, des Bildungsbereiches und der Führungskräfte?
  • Wie können die Werte und Kompetenzen der Lernbegleiter und der Führungskräfte als Entwicklungspartner ihrer Mitarbeiter aufgebaut werden?
  • Wie kann der Veränderungsprozess zur Implementierung kompetenzorientierter Entwicklungssysteme gestaltet werden?

Wir haben in einer Vielzahl von Projekten in mittelständischen Unternehmen, z. B. bei der medac GmbH, in Großunternehmen, z. B. bei der Deutschen Bahn AG, oder im öffentlich-rechtlichen Bereich, z. B. bei der Bundeswehr, bei der Einführung kompetenzorientierter Lernarrangements mit der Konzeption des Social Blended Learning sehr gute Erfahrungen gemacht. Mit dieser Vorgehensweise werden Ihre Mitarbeiter aus Ihrer aktuellen, fremdgesteuerten Lernkultur individuell abgeholt und in personalisierten, begleiteten Kompetenzentwicklungs-Prozessen auf die zukünftigen Herausforderungen vorbereitet.

Deshalb empfehlen wir Ihnen, den notwendigen Veränderungsprozesse im Corporate Learning mit diesem bewährten Ansatz zu gestalten. Wir würden uns freuen, wenn wir dazu mit Ihnen ins Gespräch kommen.

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